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Die Nöte der einheimischen Bevölkerung waren schlimm genug, jedoch nicht
zu vergleichen mit dem schweren Schicksal der Heimatvertriebenen,
die von 1945 an aus dem Osten in unser Land strömten. Die meisten Vertriebenen
wurden in Güterzügen ins Land transportiert. Sie kamen vor allem aus Schlesien,
aus Ungarn und aus der Tschechoslowakei (Böhmen und Mähren). Aus Böhmen
und Mähren kamen allein 62 Züge nach Nordbaden, 82 nach Nordwürttemberg.
Ein Betroffener erzählt, wie ein Güterzug mit Vertriebenen auf der Strecke
von Karlsruhe nach Pforzheim fuhr: An jedem Bahnhof wurde ein Wagen abgehängt.
Die Insassen wurden mit ihrem Gepäck, manchmal 70 kg oder weniger, der
jeweiligen Gemeinde zur Unterbringung übergeben. Jetzt mußten viele Einheimische,
die auf dem Land und in wenig zerstörten Städten vorn Krieg bisher wenig
verspürt hatten, plötzlich ihr Haus oder ihre Wohnung mit einer Familie
von Vertriebenen teilen. Andere Vertriebene lebten jahrelang in Lagern.
Niemand konnte sich vorstellen, daß nach einigen Jahren die meisten Heimatvertriebenen
aus dem Osten und später die Flüchtlinge aus Mitteldeutschland in ihrer
neuen Heimat so Fuß fassen würden.
Ohne die Arbeitskraft und die Berufserfahrung der Vertriebenen und Flüchtlinge
wäre der Wiederaufbau und die Weiterentwicklung des Landes nach dem Krieg
nicht in dem Umfang möglich gewesen, wie es nach 1948 geschah. Nicht selten
leben Einheimische und Vertriebene heute in besseren Verhältnissen als
vor dem Zweiten Weltkrieg.
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