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Sie beschäftigte die Bevölkerung am stärksten. Im Frühjahr 1948 fielen
die amtlichen Zuteilungen in der amerikanischen Zone wieder auf einen
Tiefstand von 1397 Kalorien pro Tag. Nach heutiger Meinung benötigt der
"liegende und in strenger Ruhe befindliche Mensch" etwa 1500 Kalorien
pro Tag, ein im Büro tätiger zwischen 2000 und 2400 Kalorien. Das Wort
'Kalorien' hatte eine andere Bedeutung als in unserer Zeit. Möglichst
viele Kalorien zum Überleben waren notwendig! Nach sechs Jahren Krieg
und drei Jahren Nachkriegszeit waren viele Menschen unterernährt.
Diese Rationen mußten für einen Erwachsenen
reichen, der keine schwere körperliche Arbeit zu verrichten hatte: Büroangestellte,
Hausfrauen usw. Schwerarbeiter erhielten je nach Beanspruchung Zulagen.
Man versuchte, die Lebensmittel gerecht zu verteilen (Hoover-Speisung
für Schüler).
Eine gerechte Verteilung war jedoch aus verschiedenen Gründen kaum zu
erreichen. Es war nicht möglich, die Erzeuger der Lebensmittel, "Selbstversorger"
genannt, vollständig zu kontrollieren. Sie konnten aus ihren Überschüssen
Lebensmittel an Verwandte und Bekannte abgeben, die zum "Hamstern" aufs
Land zogen. Meist geschah dies im Tausch gegen Sachwerte. So trugen diejenigen
Städter, die ihren Besitz im Bombenkrieg nicht verloren hatten, Gegenstände,
auf die man verzichten konnte, zu den Bauern (Bettwäsche, Teppiche, usw.).
Solche Tauschgeschäfte gegen Lebensmittel waren eigentlich verboten, sie
gehörten zum Schwarzmarkt, der trotz hoher Strafen nie völlig unterdrückt
wurde. Dort konnte man bis kurz nach der Währungsreform vieles kaufen
(1 kg Fett 200-400 Reichsmark, 1 kg Bohnenkaffee 450-600 RM, eine ganze
Lebensmittelkarte 150-200 RM). Selbst unter Schülern wurde eine amerikanische
Zigarette um 5 Reichsmark gehandelt. Lebensmittelkarten waren eine Art
Währung, die man umtauschen konnte, so wie man heute D-Mark an der Grenze
gegen ausländisches Geld umtauscht.
Neben dem Schwarzmarkt gab es schon von 1945 an einen erlaubten Tauschhandel,
wie der Ausschnitt aus dem "Nachrichtenblatt
der Militärregierung für den Stadtkreis Stuttgart" vom 1. November
1945 zeigt.
Erst die Umstellung auf die Deutsche Mark am 20. Juni 1948 stellte allmählich
wieder den normalen Markt her. Zunächst hatten alle diejenigen große Vorteile,
die über Waren verfügten und diese zurückgehalten hatten, bis sie gegen
wertvolle D-Mark verkauft werden konnten.
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