Geschichte Baden-Württembergs

Südwestdeutschland 1945 - 1952

Südwestdeutschland 1945 - 1952

Am 30. April 1945 war das Gebiet des heutigen Baden-Württemberg vollständig von amerikanischen und französischen Truppen besetzt. Der Zweite Weltkrieg war zu Ende. Die Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai setzte den Schlußpunkt. Soweit unser Land an der Reichsgrenze lag, galten die Grenzen von 1937: Österreich und das Elsaß waren wieder Ausland.

Während das Nachbarland Bayern die Rheinpfalz verlor, änderte sich am Gebiet der Länder Baden und Württemberg nach außen fast nichts: lediglich Kehl schien eine Vorstadt von Straßburg zu werden. Erst 1953 durften alle deutschen Einwohner in die Stadt zurückkehren.
Gewichtiger als die alten Ländergrenzen im Südwesten waren jetzt die Zonengrenzen. Sie waren von den Alliierten schon vor der Besetzung festgelegt worden. Von wesentlichem Einfluß auf die Grenzziehung war der Verlauf der Reichsautobahn. Die Amerikaner wollten diese und andere Verkehrslinien als Verbindung vom Rhein-Main-Gebiet nach Bayern in der Hand behalten. Deshalb wurden alle Landkreise, die von der Autobahn berührt wurden, zur amerikanischen Zone geschlagen. Die Franzosen wiederum verlangten den bayerischen Kreis Lindau als Landverbindung zu ihrer Besatzungszone in Vorarlberg. Deutsche verantwortliche Verwaltungen gab es nicht. An ihre Stelle traten Militärregierungen.
Da die Franzosen unbedingt Stuttgart erobern wollten, um politische Forderungen gegenüber ihren Verbündeten durchzusetzen, erlebten die Bewohner von Stuttgart und Umgebung beide Besatzungsmächte und konnten vergleichen: Die Franzosen (21.4. - 7.7.1945), die den Krieg im eigenen Lande erlebt hatten, verbreiteten in den ersten Tagen und Wochen vor allem mit ihren Kolonialtruppen Furcht und Schrecken: Vergewaltigungen von Frauen, Wegnahme von Lebensmitteln, Abtransport von Maschinen (Demontage) und Kahlschläge in den Wäldern prägten sich dem Gedächtnis ein. Die Amerikaner galten - nicht nur in Stuttgart - als 'Befreier', obwohl sie zunächst keineswegs diese Rolle spielen wollten. Auf jeden Fall verhielten sie sich korrekter als die Franzosen, griffen aber stärker in die Verwaltung ein und nahmen nachdrücklicher die Verfolgung ehemaliger Nationalsozialisten auf. Sie waren bald bereit, durch Lebensmittellieferungen der Bevölkerung zu helfen, denn die Versorgungslage war schlechter als vor 1945, in der französischen Zone am schlechtesten. Die Besatzungsmächte erlaubten wieder politische Parteien. SPD und KPD setzten die Tradition der Weimarer Zeit fort. Die einstigen demokratischen und liberalen Gruppierungen fanden sich in der Demokratischen Volkspartei (DVP) bzw. der Freien Demokratischen Partei (FDP) zusammen. Die neu gegründete Christlich-Demokratische-Union (CDU) überwand den konfessionellen Gegensatz der früheren christlichen Parteien.
Die Zoneneinteilung verhinderte die Wiederherstellung der alten Länder Baden und Württemberg. In Anlehnung an die Zonengrenzen entstanden bald unter Aufsicht der Militärregierungen drei neue Länder mit sehr unterschiedlicher wirtschaftlicher Kraft:
"Württemberg-Baden" unter amerikanischer Besatzung mit dem Regierungssitz Stuttgart. In Karlsruhe gab es nur eine Landesdirektion. 1950 entstand mit dem Bundesgerichtshof dort die 'Residenz des Rechts'.
"Württemberg-Hohenzollern" unter französischer Besatzung mit dem Regierungssitz Tübingen. Die anfängliche Hoffnung auf die Wiedervereinigung von Süd- und Nord-Württemberg erfüllte sich nicht. Hohenzollern konnte nicht mehr mit Eigenständigkeit rechnen, da sein 'Mutterland' Preußen 1946 aufgelöst wurde.
"Baden" unter französischer Besatzung mit dem Regierungssitz Freiburg. Der Name Baden (nicht Südbaden) brachte den Anspruch auf ganz Baden zum Ausdruck. Heimliche Hauptstädte waren daneben zunächst die Hauptquartiere der Besatzungsmächte: Heidelberg und Baden-Baden. Beide Städte waren absichtlich von Luftangriffen verschont geblieben.
Jede der drei Länderregierungen versuchte mit ihren Mitteln, die Not der Nachkriegszeit zu überwinden und den Wiederaufbau einzuleiten. Größere Erfolge traten erst seit 1948 ein, als nach der Währungsreform die Wirtschaft wieder in Gang kam. Die Reichsmark hatte ihren Wert fast ganz verloren. Am 20. Juni 1948 erhielt jeder Einwohner 40 DM (Deutsche Mark), im August weitere 20 DM. Die Reichsmarkguthaben wurden nur zu einem kleinen Teil gutgeschrieben: DM 6,50 für RM 100,-. Die Rationierung der Lebensmittel wurde 1950 vollends aufgehoben.
Nun besserten sich die Voraussetzungen für den Wiederaufbau der zerstörten Städte. Für die Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Gebieten im Osten und die Flüchtlinge aus der Sowjetzone (bis 1951 waren es 1 005 666) wurde das Leben hoffnungsvoller. Von 1945 bis Ende 1950 strömten sie in mehreren Schüben zu uns ins Land, zunächst fast nur in die amerikanische Zone, dann durch Umsiedlung auch in die französische. (Bis 1961 stieg die Zahl der Neubürger besonders durch Flüchtlinge aus Mitteldeutschland auf 1 620 428. Das war fast ein Fünftel der Gesamtbevölkerung von 7 759 154 Menschen.)
Der Wiederaufbau nahm einen weiteren Aufschwung, als sich 1947/48 die bisher selbständigen westlichen Besatzungszonen zusammenschlossen (1947 Bizone: amerikanische und britische Zone; 1948 Trizone). 1949 entstand dann die Bundesrepublik Deutschland. In ihr waren außer dem etwas verkleinerten Bayern, dem erweiterten Hessen sowie den Hansestädten Bremen und Hamburg alle Bundesländer Neubildungen.
Noch heute erinnern neben den französischen und amerikanischen Garnisonen die Sendegebiete des Südwestfunks in Baden-Baden und des Süddeutschen Rundfunks in Stuttgart an die Einteilung in Besatzungszonen.


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