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Während das Nachbarland Bayern die Rheinpfalz verlor, änderte sich am
Gebiet der Länder Baden und Württemberg nach außen fast nichts: lediglich
Kehl schien eine Vorstadt von Straßburg zu werden. Erst 1953 durften alle
deutschen Einwohner in die Stadt zurückkehren.
Gewichtiger als die alten Ländergrenzen im Südwesten waren jetzt die Zonengrenzen.
Sie waren von den Alliierten schon vor der Besetzung festgelegt worden.
Von wesentlichem Einfluß auf die Grenzziehung war der Verlauf der Reichsautobahn.
Die Amerikaner wollten diese und andere Verkehrslinien als Verbindung
vom Rhein-Main-Gebiet nach Bayern in der Hand behalten. Deshalb wurden
alle Landkreise, die von der Autobahn berührt wurden, zur amerikanischen
Zone geschlagen. Die Franzosen wiederum verlangten den bayerischen Kreis
Lindau als Landverbindung zu ihrer Besatzungszone in Vorarlberg. Deutsche
verantwortliche Verwaltungen gab es nicht. An ihre Stelle traten Militärregierungen.
Da die Franzosen unbedingt Stuttgart erobern wollten, um politische Forderungen
gegenüber ihren Verbündeten durchzusetzen, erlebten die Bewohner von Stuttgart
und Umgebung beide Besatzungsmächte und konnten vergleichen: Die Franzosen
(21.4. - 7.7.1945), die den Krieg im eigenen Lande erlebt hatten, verbreiteten
in den ersten Tagen und Wochen vor allem mit ihren Kolonialtruppen Furcht
und Schrecken: Vergewaltigungen von Frauen, Wegnahme von Lebensmitteln,
Abtransport von Maschinen (Demontage) und Kahlschläge in den Wäldern prägten
sich dem Gedächtnis ein. Die Amerikaner galten - nicht nur in Stuttgart
- als 'Befreier', obwohl sie zunächst keineswegs diese Rolle spielen wollten.
Auf jeden Fall verhielten sie sich korrekter als die Franzosen, griffen
aber stärker in die Verwaltung ein und nahmen nachdrücklicher die Verfolgung
ehemaliger Nationalsozialisten auf. Sie waren bald bereit, durch Lebensmittellieferungen
der Bevölkerung zu helfen, denn die Versorgungslage war schlechter als
vor 1945, in der französischen Zone am schlechtesten. Die Besatzungsmächte
erlaubten wieder politische Parteien. SPD und KPD setzten die Tradition
der Weimarer Zeit fort. Die einstigen demokratischen und liberalen Gruppierungen
fanden sich in der Demokratischen Volkspartei (DVP) bzw. der Freien Demokratischen
Partei (FDP) zusammen. Die neu gegründete Christlich-Demokratische-Union
(CDU) überwand den konfessionellen Gegensatz der früheren christlichen
Parteien.
Die Zoneneinteilung verhinderte die Wiederherstellung der alten Länder
Baden und Württemberg. In Anlehnung an die Zonengrenzen entstanden bald
unter Aufsicht der Militärregierungen drei neue Länder mit sehr
unterschiedlicher wirtschaftlicher Kraft:
"Württemberg-Baden" unter amerikanischer Besatzung mit dem Regierungssitz
Stuttgart. In Karlsruhe gab es nur eine Landesdirektion. 1950 entstand
mit dem Bundesgerichtshof dort die 'Residenz des Rechts'.
"Württemberg-Hohenzollern" unter französischer Besatzung mit dem
Regierungssitz Tübingen. Die anfängliche Hoffnung auf die Wiedervereinigung
von Süd- und Nord-Württemberg erfüllte sich nicht. Hohenzollern konnte
nicht mehr mit Eigenständigkeit rechnen, da sein 'Mutterland' Preußen
1946 aufgelöst wurde.
"Baden" unter französischer Besatzung mit dem Regierungssitz Freiburg.
Der Name Baden (nicht Südbaden) brachte den Anspruch auf ganz Baden zum
Ausdruck. Heimliche Hauptstädte waren daneben zunächst die Hauptquartiere
der Besatzungsmächte: Heidelberg und Baden-Baden. Beide Städte waren absichtlich
von Luftangriffen verschont geblieben.
Jede der drei Länderregierungen versuchte mit ihren Mitteln, die Not
der Nachkriegszeit zu überwinden und den Wiederaufbau einzuleiten.
Größere Erfolge traten erst seit 1948 ein, als nach der Währungsreform
die Wirtschaft wieder in Gang kam. Die Reichsmark hatte ihren Wert fast
ganz verloren. Am 20. Juni 1948 erhielt jeder Einwohner 40 DM (Deutsche
Mark), im August weitere 20 DM. Die Reichsmarkguthaben wurden nur zu einem
kleinen Teil gutgeschrieben: DM 6,50 für RM 100,-. Die Rationierung der
Lebensmittel wurde 1950 vollends aufgehoben.
Nun besserten sich die Voraussetzungen für den Wiederaufbau der zerstörten
Städte. Für die Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Gebieten
im Osten und die Flüchtlinge aus der Sowjetzone (bis 1951 waren
es 1 005 666) wurde das Leben hoffnungsvoller. Von 1945 bis Ende 1950
strömten sie in mehreren Schüben zu uns ins Land, zunächst fast nur in
die amerikanische Zone, dann durch Umsiedlung auch in die französische.
(Bis 1961 stieg die Zahl der Neubürger besonders durch Flüchtlinge aus
Mitteldeutschland auf 1 620 428. Das war fast ein Fünftel der Gesamtbevölkerung
von 7 759 154 Menschen.)
Der Wiederaufbau nahm einen weiteren Aufschwung, als sich 1947/48 die
bisher selbständigen westlichen Besatzungszonen zusammenschlossen (1947
Bizone: amerikanische und britische Zone; 1948 Trizone). 1949 entstand
dann die Bundesrepublik Deutschland. In ihr waren außer dem etwas
verkleinerten Bayern, dem erweiterten Hessen sowie den Hansestädten Bremen
und Hamburg alle Bundesländer Neubildungen.
Noch heute erinnern neben den französischen und amerikanischen Garnisonen
die Sendegebiete des Südwestfunks in Baden-Baden und des Süddeutschen
Rundfunks in Stuttgart an die Einteilung in Besatzungszonen.
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