Geschichte Baden-Württembergs

Der Dreißigjährige Krieg
(1618-1648)

Der Dreißigjährige Krieg

Der längste Krieg der deutschen Geschichte wurde durch das Eingreifen auswärtiger Mächte zu einem europäischen Krieg. Ursache war hauptsächlich der Widerstreit der religiösen Bekenntnisse als Folge der Reformation. So standen auch im Südwesten des Reiches katholische und protestantische Fürsten einander als Feinde gegenüber, die Katholiken (Kaiser, Bayern) in der "Liga" vereint, die Protestanten (Kurpfalz, Baden-Durlach, Württemberg) in der "Union". Der Krieg begann 1618 mit dem Prager Fenstersturz.

Nahezu alle Teile des Südwestens erlebten Durchzüge von Truppen und Kämpfe. Die Karte zeigt, in welchem Ausmaß die Bevölkerung durch unmittelbare Kriegseinwirkung oder durch Seuchen Verluste erlitt. Unbehelligt blieb der Schwarzwald. Am meisten betroffen waren die Pfalz, das Land am Neckar, auf der Alb und an der Donau, aber auch am Oberrhein.

Der Pfälzische Krieg (1619-1622). 1619 setzten die Böhmen ihren katholischen König aus dem Haus Habsburg ab und boten die Krone einem protestantischen Fürsten an, dem Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz. Die meisten seiner Räte und mehrere befreundete Fürsten rieten ihm von der Annahme ab. Aber Friedrich entschied sich für die böhmische Krone. Mit Elisabeth, seiner jungen englischen Gattin, setzte er sich in die Reisekutsche und fuhr von Heidelberg nach Prag. Im November 1619 wurde er dort gekrönt. Fast genau ein Jahr später, im November 1620, verlor er gegen Tilly, den Feldherrn der katholischen Liga, die Schlacht am Weißen Berg bei Prag. Er floh durch ganz Deutschland bis in die Niederlande. Mit der böhmischen Krone hatte er auch die Pfalz verloren.
Schon bald mußte auch der Markgraf Friedrich Georg von Baden-Durlach sein kleines Land fluchtartig verlassen. Er hatte es gewagt, sich Tilly entgegenzustellen, und wurde in der Schlacht bei Wimpfen (1622) geschlagen. Tilly zog durch den Kraichgau und nahm Heidelberg.

Die verhältnismäßig ruhigen Jahre. Das Kriegsgeschehen verlagerte sich nach Norddeutschland. Der deutsche Südwesten blieb jahrelang weitgehend verschont. Es sah ganz danach aus, als würden der Kaiser und die katholische Liga endgültig den Sieg davontragen.
Das Blatt wendete sich, als der Schwedenkönig Gustav Adolf auf die Seite der Protestanten trat (1630). Sein Siegeszug führte ihn tief in den deutschen Süden. Auch Baden-Durlach und Württemberg begrüßten ihn als Befreier. Das Kriegsglück blieb jedoch keiner Seite treu. Zunächst einmal verloren beide Parteien ihre größten Feldherrn: Gustav Adolf fiel in der Schlacht bei Lützen in der Nähe von Leipzig. Wallenstein, der Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen, wurde 1634 in Eger ermordet.

14 Schreckensjahre (1634-1648). Für die Protestanten brachte das Jahr 1634 eine Wende zum Schlechten. Die Schweden verloren die entscheidende Schlacht bei Nördlingen. Danach überfluteten die Kaiserlichen das Herzogtum Württemberg. Waiblingen, Herrenberg und Calw wurden niedergebrannt, Stuttgart besetzt.
Jetzt griffen die Franzosen in den Krieg ein. Obwohl Frankreich rein katholisch war, verbündete es sich mit den deutschen Protestanten. Der Kaiser sollte den Krieg auf keinen Fall gewinnen. So wurde der Südwesten wieder zum Kriegsschauplatz. Für das Land an Oberrhein und am Neckar begannen die schrecklichsten Jahre. Eine ganze Reihe von Schlachten wurden hier geschlagen: Rheinfelden (1638), Tuttlingen (1643), Freiburg (1644), Herbsthausen bei Mergentheim (1645). Ein entscheidender Sieg gelang keiner der beiden Seiten. Die Bevölkerung aber litt entsetzlich, sie litt unter Freund und Feind. Wie Heuschreckenschwärme fielen die Heere über das Land her, aus dem sie sich ja ernähren mußten. Die letzte Schlacht des Krieges fand 1648 bei Zusmarshausen westlich von Augsburg statt.
Als im Jahre 1648 endlich die Friedensglocken läuteten, waren viele Dörfer und Städte im deutschen Südwesten durch Einquartierung verarmt, zum Teil zerstört, niedergebrannt. Allein das Herzogtum Württemberg hatte durch Hunger und Seuchen, Mord und Totschlag fast zwei Drittel seiner Bevölkerung verloren. Im Jahre 1618 zählte es 350000 Einwohner, im Jahre 1648 gerade noch 120000. Folgende Beispiele stammen aus dem Amt Münsingen und zeigen die Zahl der Ehepaare und Gebäude vor und nach dem Krieg:

  Ehepaare Häuser und Scheunen
Stadt Münsingen 191 96 240 157
Apfelstetten 56 15 74 29
Auingen 87 25 115 49
Böttingen 64 14 82 39
Hundersingen 45 3 54 5
Mehrstetten 132 26 156 68
Mundingen 48 10 35 23

Ein wichtiges Ergebnis des Westfälischen Friedens war, daß jetzt neben den Katholiken und Lutheranern auch die Reformierten geduldet wurden. Dies war für die Kurpfalz bedeutsam.
Für einen Teil des Südwestens begann eine 150jährige Friedenszeit. Am mittleren Neckar, im ganzen Oberrheingebiet und besonders in der Kurpfalz verursachten die Kriege, die der französische König Ludwig XIV. von 1674 bis 1714 führte, weitere furchtbare Zerstörungen.
Frankreich rückte durch Besitzerwerbungen im Elsaß an die Rheingrenze vor. Die Schweiz löste sich vom deutschen Reich.


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