Geschichte Baden-Württembergs

Die Zeit der Reformation
(1517-1580)

Die Zeit der Reformation

Die Thesen Martin Luthers und seine Schriften ließen nach 1517 niemanden in Deutschland unberührt. Sie ließen sowohl jene aufhorchen, die sich ernsthaft um ein gläubiges Leben mühten, als auch jene, die in den Aussagen des Mönchs Angriffe auf bestehende Ordnungen wie Papsttum und Kaisertum entdeckten.

Die Karte zeigt die Konfessionsverteilung in Südwestdeutschland um 1580.
Katholisch geblieben sind vor allem Gebiete, die zum habsburgischen Kaiserhaus gehören bzw. in seiner Abhängigkeit stehen, und die Gebiete der Bischöfe von Basel, Speyer, Straßburg und Würzburg.
Den größten Gebietszuwachs hat die evangelische Bewegung durch das Herzogtum Württemberg erlangt.
Die Kurpfalz ist um 1580 der Mittelpunkt des deutschen Calvinismus, eine eigene Richtung in der Reformation.
Bis 1580 sind einige Gebiete wieder katholisch geworden. Die schraffiert eingezeichneten Gebiete der Reichsstädte Biberach, Ravensburg und Leutkirch blieben gemischt konfessionell.

Schon ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung der Thesen legte Martin Luther diese in Heidelberg öffentlich dar. An dem Gespräch nahmen viele, später führende Reformatoren teil wie Martin Bucer (später Reformator in Straßburg), Johannes Brenz (später Reformator in Schwäbisch Hall und Stuttgart) und Erhard Schnepf (später Reformator im nördlichen Württemberg). Wie Luther verließen Mönche ihre Klöster und schlossen sich der beginnenden evangelischen Bewegung an; so auch Ambrosius Blarer, Reformator in Konstanz und Oberschwaben.
Luthers Thesen und Schriften konnten wegen der neuen Möglichkeit des Buchdrucks schnell vervielfältigt und verteilt werden. Sie folgten den großen Handelsstraßen und wurden vor allem in den Städten verbreitet.
Wittenberg, die Heimatstadt Luthers, war nicht das einzige Zentrum der Reformation. In Zürich predigte Ulrich Zwingli am Münster in evangelischer Weise. Er hatte aber ein anderes Verständnis vom Abendmahl als Luther. Seiner Auffassung schlossen sich Martin Bucer von Straßburg, Johannes Oekolampad aus Basel und Ambrosius Blarer aus Konstanz an. Im Jahre 1563 kam noch eine dritte Auslegung hinzu. Die Kurpfalz schloß sich der Richtung des Reformators Johannes Calvin aus Genf an.

Den gebietsmäßig größten Zuwachs erhielt die evangelische Bewegung durch die Reformation Württembergs. Herzog Ulrich von Württemberg lebte seit 1519 in seiner Grafschaft Mömpelgard. Er war wegen persönlicher Schuld und umstrittener Übergriffe auf nichtwürttembergische Besitzungen aus seinem Herzogtum vertrieben worden. In Basel kam Herzog Ulrich mit der Reformation in Berührung. Im Mai 1534 gelang ihm unter Mithilfe anderer evangelisch gewordener Fürsten die Rückeroberung seines Landes. Entgegen den Absprachen mit dem katholischen Königs- und Kaiserhaus machte er sich unverzüglich an die Einführung der Reformation. Erhard Schnepf und Ambrosius Blarer waren seine führenden Reformatoren. Eine Kirchenordnung, die den Predigtgottesdienst vorsah und den Katechismus von Johannes Brenz übernahm, sowie die Errichtung einer Schule für den theologischen Nachwuchs ergänzten das reformatorische Tun Herzog Ulrichs von Württemberg.

Seit 1519 war Karl V. König und Kaiser im deutschen Reich. Er sah sich als Verteidiger der einen, der katholischen Kirche. In dieser Eigenschaft unternahm er mehrere Versuche, den einheitlichen Glauben im Reich wiederherzustellen:
1529 ließ Karl V. auf dem 2. Reichstag in Speyer die kirchlichen Neuerungen verurteilen. Dagegen schlossen sich sieben Reichsfürsten und 16 Reichsstädte zu einer Protestaktion zusammen. Die Protestanten wollten die Reformation nicht beendet wissen und schlossen sich zu einem Verteidigungsbündnis zusammen. Sie nannten ihren Bund nach der Ortschaft Schmalkalden am Südabhang des Thüringer Waldes, wo sie sich auf Veranlassung des Landgrafen Philipp von Hessen trafen.
1546 besiegte das kaiserliche Heer im Schmalkaldischen Krieg die evangelischen Fürsten und Städte, die ihm Abbitte leisten mußten.
1548 ließ der Kaiser auf dem Augsburger Reichstag das sogenannte "Interim" erarbeiten, das eine Zwischenlösung in der Glaubensfrage anstrebte. Karl V. verlangte die Durchsetzung der Reichstagsbeschlüsse. Reichsunmittelbare Gebiete, wie die Landvogtei Ortenau, wurden rekatholisiert. Wo katholisch gebliebene Fürsten, wie Friedrich von Fürstenberg, die Nachfolge eines evangelischen antraten, mußten die Untertanen wieder den alten Glauben annehmen. Auch einige Klöster wurden vorübergehend wieder eingerichtet.

Nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 setzte sich die Reformation in breiterem Rahmen durch. Nach früheren Anfängen und einzelnen reformatorischen Ansätzen bekannte sich nun die Markgrafschaft Baden-Durlach mit den Herrschaften Hachberg, Rötteln und Sausenberg 1556 zum evangelischen Bekenntnis und führte die württembergische Kirchenordnung ein. Auch die Markgrafschaft Baden-Baden ging im gleichen Jahr zum Luthertum über, was allerdings nur von kurzer Dauer war. Ebenfalls nach dem Augsburger Religionsfrieden wurde in der Grafschaft Hohenlohe die Reformation durchgeführt. Zur gleichen Zeit begann jedoch auch die Gegenreformation. Sie wurde von Kaiser Ferdinand I. und geistlichen Fürsten nachhaltig unterstützt.


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