Geschichte Baden-Württembergs

Die Markgrafschaft Baden und die Grafschaft Württemberg am Anfang des 15. Jahrhunderts

Die Markgrafschaft Baden und die Grafschaft Württemberg am Anfang des 15. Jahrhunderts

Die Herren von Württemberg werden erstmals 1092 genannt. Vermutlich hatte ein Herr von Virdeberg bei Luxemburg eine Erbtochter der Herren von Beutelsbach geheiratet. Die neue Burg Wirtemberg (Burgkapelle 1083 erwähnt) wurde Mittelpunkt einer Herrschaft, die sich vom Neckar- und Remstal aus im Laufe der Jahrhunderte nach allen Richtungen ausbreitete.

Da die Markgrafen von Baden von den Zähringern abstammen, sind ihre Ursprünge im Breisgau zu suchen. Der Familienname "Baden" leitet sich bereits von einer Neuerwerbung ab, von Baden im Ufgau, dem heutigen Baden-Baden, wo Markgraf Herrmann II. (gest. 1130) die Burg Hohenbaden erbaute. Vom Anfang ihrer Geschichte an zeigen die Markgrafen ein hohes Maß an Beweglichkeit. Dies ergibt schon ein Blick auf die Karte, der man die Überschrift geben könnte: Baden in Württemberg? oder: Württemberg in Baden?

Eine Urkunde von 1297 gibt einen Hinweis auf die Verflech-tung zwischen den Württembergern und den Badenern: Graf Eberhard von Wirtemberg (1279-1325) und seine Gemahlin Irmengard (gest. nach 1297), Tochter des Markgrafen Rudolf von Baden (gest. 1288), erklären, daß durch die Abtretung der Burg Reichenberg ihre Ansprüche an das Haus Baden befriedigt sind.
Die Burg Reichenberg liegt 6 km nordöstlich von Backnang, und die Stadt Backnang war ein Teil der Herrschaft Reichenberg. Der Inhalt der Urkunde besagt, daß Graf Eberhard von Wirtemberg die Herrschaft Reichenberg als Heiratsgut seiner Gemahlin aus dem Hause Baden erworben hatte. Es war ein ganz normaler Vorgang, daß eine Adelsherrschaft im Erbfall wie Privateigentum vererbt wurde. Überraschend ist, daß die Markgrafen von Baden östlich des mittleren Neckars so weit weg von ihrem Ausgangspunkt über Besitz verfügten. Die Markgrafen waren ihrerseits durch Heirat und Erbschaft in diesen Raum gelangt.
Der Besitz um Reichenberg und Backnang war für die Familie so bedeutsam, daß sich bis 1268 die Grablege der Markgrafen in der Stiftskirche in Backnang befand. Dort hatten sie vor 1116 ein Chorherrenstift, eine klosterähnliche Gemeinschaft, gegründet. Später wurde die Grablege in das Kloster Lichtental bei Baden(-Baden) verlegt.
Noch interessanter ist es. daß unter den neckarschwäbischen Besitzungen der Markgrafen auch Stuttgart zu finden ist und daß Stuttgart als Stadt um 1220 von Markgraf Hermann V. (gest. 1242) gegründet wurde. Adlige Dienstleute um Cannstatt und Stuttgart führten ein Wappen, das dem badischen Balkenwappen glich oder ähnelte. Die ältesten Teile der Stiftskirche in Stuttgart und der Schloßkirche in Pforzheim zeigen Ähnlichkeiten. Pforzheim war 1219 durch Erbschaft an die Markgrafen gefallen.
Vor die Zeit dieser Stadtgründung fallen weitere wichtige Erwerbungen der Markgrafen. Während die Württemberger aus dem Niedergang der Staufer nach 1246 Gewinn zogen, erhielten die Markgrafen schon 1219 von den Staufern durch Tausch (mit Erbschaften in Norddeutschland) einige wichtige Städte: Durlach, Eppingen, Ettlingen und Pforzheim; nicht auf Dauer Lauffen (1219-1346) und Sinsheim (1219-1345). Schon länger gehörte ihnen Besigheim (1153-1595). So schien Baden sich zunächst zu einem Territorium auf der Linie Durlach-Backnang zu entwickeln.
Im Breisgau residierte nur noch eine Nebenlinie auf dem Hachberg (auch Hochberg) bei Emmendingen sowie ganz im Süden die Linie Rötteln-Sausenberg (später "Markgräflerland"). Nach dem Verlust der meisten neckarschwäbischen Besitzungen gewannen die oberrheinischen an Bedeutung und bildeten später die Grundlage für die Nord-Süd-Ausrichtung der Markgrafschaft am Oberrhein.
Auf dem gleichen Weg wie Backnang verloren die Markgrafen auch Stuttgart. Denn Graf Ulrich der Stifter heiratete um 1245 Mathilde, die Tochter des Markgrafen von Baden. Sie brachte als Heiratsgut die noch nicht lange zuvor gegründete Stadt Stuttgart in die Ehe. Stuttgart war nicht sofort die Hauptstadt der Grafschaft Württemberg. Waiblingen war mindestens ebenso wichtig. Erst die Verlegung des Erbbegräbnisses von Beutelsbach nach Stuttgart (1321, oder schon nach 1309) deutet die Entscheidung für Stuttgart als Hauptstadt an, beweist aber zugleich, daß Stuttgart nicht der ursprüngliche Mittelpunkt des Besitzes der Württemberger war.

Vom 13. bis zum 15. Jahrhundert entwickelten sich Baden und Württemberg unabhängig voneinander. Die Markgrafschaft erhielt 1387 einen Teil der Grafschaft Eberstein. Württemberg vergrößerte sich stetig.
Beide Territorien erwarben auch weitab liegende Gebiete: Baden die Grafschaft Sponheim im Hunsrück (15. Jahrhundert und später), Württemberg die Grafschaft Mömpelgard in der Burgundischen Pforte (1397). Mömpelgard und die württembergischen Besitzungen im Elsaß mußten 1796 an Frankreich abgetreten werden. Die Herrschaften Hachberg und Sausenberg fielen an die badische Hauptlinie zurück.
Württemberg hatte nach der Teilung von 1442 bis 1482 nie mehr eine Landesteilung zu erleiden und blieb ein verhältnismäßig geschlossenes Land. In Baden kam es zu einer Teilung, die von 1515 bis 1771 dauerte. Zudem waren die badischen Landesteile räumlich immer voneinander getrennt.


Home Top Mail me!
© 04/1999 by Mike Pantel