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Da die Markgrafen von Baden von den Zähringern abstammen, sind ihre Ursprünge
im Breisgau zu suchen. Der Familienname "Baden" leitet sich bereits von
einer Neuerwerbung ab, von Baden im Ufgau, dem heutigen Baden-Baden, wo
Markgraf Herrmann II. (gest. 1130) die Burg Hohenbaden erbaute. Vom Anfang
ihrer Geschichte an zeigen die Markgrafen ein hohes Maß an Beweglichkeit.
Dies ergibt schon ein Blick auf die Karte, der man die Überschrift geben
könnte: Baden in Württemberg? oder: Württemberg in Baden?
Eine Urkunde von 1297 gibt einen Hinweis auf die Verflech-tung zwischen
den Württembergern und den Badenern: Graf Eberhard von Wirtemberg (1279-1325)
und seine Gemahlin Irmengard (gest. nach 1297), Tochter des Markgrafen
Rudolf von Baden (gest. 1288), erklären, daß durch die Abtretung der Burg
Reichenberg ihre Ansprüche an das Haus Baden befriedigt sind.
Die Burg Reichenberg liegt 6 km nordöstlich von Backnang, und die Stadt
Backnang war ein Teil der Herrschaft Reichenberg. Der Inhalt der Urkunde
besagt, daß Graf Eberhard von Wirtemberg die Herrschaft Reichenberg als
Heiratsgut seiner Gemahlin aus dem Hause Baden erworben hatte. Es war
ein ganz normaler Vorgang, daß eine Adelsherrschaft im Erbfall wie Privateigentum
vererbt wurde. Überraschend ist, daß die Markgrafen von Baden östlich
des mittleren Neckars so weit weg von ihrem Ausgangspunkt über Besitz
verfügten. Die Markgrafen waren ihrerseits durch Heirat und Erbschaft
in diesen Raum gelangt.
Der Besitz um Reichenberg und Backnang war für die Familie so bedeutsam,
daß sich bis 1268 die Grablege der Markgrafen in der Stiftskirche in Backnang
befand. Dort hatten sie vor 1116 ein Chorherrenstift, eine klosterähnliche
Gemeinschaft, gegründet. Später wurde die Grablege in das Kloster Lichtental
bei Baden(-Baden) verlegt.
Noch interessanter ist es. daß unter den neckarschwäbischen Besitzungen
der Markgrafen auch Stuttgart zu finden ist und daß Stuttgart als Stadt
um 1220 von Markgraf Hermann V. (gest. 1242) gegründet wurde. Adlige Dienstleute
um Cannstatt und Stuttgart führten ein Wappen, das dem badischen Balkenwappen
glich oder ähnelte. Die ältesten Teile der Stiftskirche in Stuttgart und
der Schloßkirche in Pforzheim zeigen Ähnlichkeiten. Pforzheim war 1219
durch Erbschaft an die Markgrafen gefallen.
Vor die Zeit dieser Stadtgründung fallen weitere wichtige Erwerbungen
der Markgrafen. Während die Württemberger aus dem Niedergang der Staufer
nach 1246 Gewinn zogen, erhielten die Markgrafen schon 1219 von den Staufern
durch Tausch (mit Erbschaften in Norddeutschland) einige wichtige Städte:
Durlach, Eppingen, Ettlingen und Pforzheim; nicht auf Dauer Lauffen (1219-1346)
und Sinsheim (1219-1345). Schon länger gehörte ihnen Besigheim (1153-1595).
So schien Baden sich zunächst zu einem Territorium auf der Linie Durlach-Backnang
zu entwickeln.
Im Breisgau residierte nur noch eine Nebenlinie auf dem Hachberg (auch
Hochberg) bei Emmendingen sowie ganz im Süden die Linie Rötteln-Sausenberg
(später "Markgräflerland"). Nach dem Verlust der meisten neckarschwäbischen
Besitzungen gewannen die oberrheinischen an Bedeutung und bildeten später
die Grundlage für die Nord-Süd-Ausrichtung der Markgrafschaft am Oberrhein.
Auf dem gleichen Weg wie Backnang verloren die Markgrafen auch Stuttgart.
Denn Graf Ulrich der Stifter heiratete um 1245 Mathilde, die Tochter des
Markgrafen von Baden. Sie brachte als Heiratsgut die noch nicht lange
zuvor gegründete Stadt Stuttgart in die Ehe. Stuttgart war nicht sofort
die Hauptstadt der Grafschaft Württemberg. Waiblingen war mindestens ebenso
wichtig. Erst die Verlegung des Erbbegräbnisses von Beutelsbach nach Stuttgart
(1321, oder schon nach 1309) deutet die Entscheidung für Stuttgart als
Hauptstadt an, beweist aber zugleich, daß Stuttgart nicht der ursprüngliche
Mittelpunkt des Besitzes der Württemberger war.
Vom 13. bis zum 15. Jahrhundert entwickelten sich Baden und Württemberg
unabhängig voneinander. Die Markgrafschaft erhielt 1387 einen Teil der
Grafschaft Eberstein. Württemberg vergrößerte sich stetig.
Beide Territorien erwarben auch weitab liegende Gebiete: Baden die Grafschaft
Sponheim im Hunsrück (15. Jahrhundert und später), Württemberg die Grafschaft
Mömpelgard in der Burgundischen Pforte (1397). Mömpelgard und die württembergischen
Besitzungen im Elsaß mußten 1796 an Frankreich abgetreten werden. Die
Herrschaften Hachberg und Sausenberg fielen an die badische Hauptlinie
zurück.
Württemberg hatte nach der Teilung von 1442 bis 1482 nie mehr eine Landesteilung
zu erleiden und blieb ein verhältnismäßig geschlossenes Land. In Baden
kam es zu einer Teilung, die von 1515 bis 1771 dauerte. Zudem waren die
badischen Landesteile räumlich immer voneinander getrennt.
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