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Philipp der Schöne (1478-1506). Erzherzog von Österreich und Herzog von
Burgund, war der Sohn des deutschen Königs, Maximilians I. Seit 1494 regierte
er in den habsburgischen Niederlanden. Sein Weg durch Schwaben und Franken
war nur ein kleines Stück einer großen Reise.
Schon 1501 war er von den Niederlanden nach Spanien aufgebrochen, wo er
sich zwei Jahre aufhielt. Auf der Rückreise wollte er seinen Vater, König
Maximilian, in Innsbruck in Tirol aufsuchen. Über Südfrankreich gelangte
er nach Savoyen. Danach kam er in sein Stammland Burgund und schließlich
über Belfort ins habsburgische Elsaß, wo er am 22. August in Ensisheim,
dem damaligen Regierungssitz, eintraf.
Es war ein gewaltiger Zug von etwa 250 Menschen und 400 Pferden und Maultieren.
Deshalb war es nicht immer leicht, alle zu beherbergen. Nur in "guten,
großen Städten" konnte die Reisegesellschaft beisammen bleiben. Ein niederländischer
Edelmann aus dem Gefolge Philipp hat einen Bericht hinterlassen. Es macht
ihm Spaß, alle besuchten Orte mit den Städten seiner Heimat zu vergleichen.
"Am Mittwoch (23. August) ging Mein Herr nach Breisach, 3 Meilen (1 Meile
ca. 15 km) von dort, durch schönes und gutes Land und überschritt den
Rhein auf einer 400 Schritt langen Holzbrücke. Es hat die Größe von Nivelles
(Stadt in Flandern), auf einem Berg und in einem Tal am Rhein gelegen.
Es ist die erste Stadt des Breisgaus..."
"Am Donnerstag, dem 24. (August) kam Mein Herr zur Unterkunft nach Freiburg
im Breisgau. ... einer guten und sehr schönen, von Brunnen erfüllten,
in schönem und fruchtbaren Land gelegenen Stadt ... wo er mit Kreuzen
und Fahnen empfangen wurde ... In der Nähe Freiburgs findet man auf einigen
Bergen den Jaspis, aus dem man die Rosenkränze macht."
Nach diesem habsburgischen Ort war die nächste Station Neustadt (26. August).
"Dieser Ort gehört dem Grafen von Fürstenberg, welcher dort Meinen Herrn
und seinen ganzen Zug, Menschen und Pferde, freihielt." 600 Landsknechte
waren zur Begrüßung da.
"Am Sonntag (27. August) geleiteten die genannten Landsknechte Meinen
Herrn 1 Meile, weil dort die Grenze der Schweiz ist, und er nahm 3 Meilen
von Neustadt in Villingen Quartier ... dem Herzog von Österreich gehörend,
aus welcher ihm 120-140 gut bewaffnete und ausgerüstete Männer entgegenkamen
und ihm ... Wein, Fische und Hafer gemäß dem Landesbrauch zum Geschenk
machten."
Am 28. August traf er im württembergischen Tuttlingen ein ... "an der
Donau gelegen, welcher Fluß im Gegensatz zu allen anderen gegen Sonnenaufgang
(Osten) fließt und Ursprung und Anfang in einer Quelle 3 Meilen von Tuttlingen
am Fuße des Schwarzwaldes an den Grenzen der Schweizer hat." Wieder wird
die Schweiz erwähnt, und zwar wohl deshalb, weil die Habsburger es schwer
ertragen konnten, daß das kleine Volk der Schweizer die habsburgische
Herrschaft erst einige Jahre zuvor endgültig abgeschüttelt hatte.
"Am Dienstag (29. August) nahm Mein Herr 3 Meilen von Tuttlingen in Sigmaringen
an der Donau Quartier. Die Stadt liegt unten und das Schloß oben auf einem
Berg; sie sind der Größe von Hal (Stadt in Brabant). Der Herzog von Württemberg,
der Herr des Orts, bewirtete dort Meinen Herrn sehr festlich und hielt
alle seine Reiter frei." Dem landfremden Berichterstatter darf man nicht
verübeln, daß er Württemberg mit Werdenberg verwechselte. Es muß der Graf
von Werdenberg gewesen sein. Den Werdenbergern gehörte die Stadt seit
über 100 Jahren.
Die beiden nächsten Stationen waren wieder österreichische Besitzungen:
die Städte Riedlingen (30. August) und Ehingen (31. August) "in sehr schönem
Land, voll von Korn, Wald und Wiesen."
Am 1. September kam Philipp der Schöne "zur Herberge in die gute und feste
Reichsstadt Ulm, die bestbewehrte, die man kennt ... und man sagt, daß
sie eine der reichsten Städte Deutschlands ist, und es gibt dort eine
schöne, hohe und riesige Kirche Unserer Lieben Frau. Man gab hier Meinem
Herrn 2 Fuhren Wein, 5 Fuhren Hafer und eine große Menge Fische. Ihm entgegenkommend,
fand sich in diesem Ort der Herzog von Württemberg mit großem Gefolge
ein." Diesmal war es wirklich Herzog Ulrich von Württemberg, der nicht
ahnen konnte, daß 20 Jahre später Philipps Sohn Ferdinand vorübergehend
als Statthalter in Stuttgart residieren und er selbst aus seinem Lande
vertrieben sein würde.
Ausführlich wird ein großes Tanzfest geschildert, und erst am 4. September
reiste Philipp weiter. Über Augsburg, wo nochmals der Herzog von Württemberg
erschien, und andere Orte erreichte er schließlich am 13. September Innsbruck.
Bis Anfang Oktober war er mit seinem Vater Maximilian zusammen und reiste
dann durch Schwaben, Franken und das Rheinland zurück nach Brüssel (November
1503). Am 16. und 17. Oktober hielt er sich unter anderem in Stuttgart
auf, "einer ziemlich guten Stadt ... in einem Tal zwischen Bergen, voll
von Weingärten gelegen, und sie ist sehr schmutzig und schlecht gepflastert".
Die Kurpfalz lag ebenfalls am Weg, als Philipp der Schöne von Stuttgart
aus seine Heimreise fortsetzte. Bevor er am 20. Oktober in der Residenz
des Pfalzgrafen in Heidelberg eintraf, machte er Halt beim Markgrafen
von Baden in Pforzheim, dann in Bruchsal, das dem Bischof von Speyer gehörte.
Der Hof in Heidelberg machte großen Eindruck: "Der Pfalzgraf, dem die
Stadt gehört, hat dort seine Residenz in einem sehr schönen, in der Stadt
auf einem Berge gelegenen Schloß, einem sehr schönen und festen Platz,
der vier Gebäudegruppen umfaßt, alle aus Ouadersteinen und mit Schiefer
gedeckt. Jedes Gebäude würde genügen, um einen recht großen König unterzubringen..."
Die Kurpfalz war nicht wie Vorderösterreich das Nebenland einer Herrscherfamilie.
Trotzdem war es ein recht unzusammenhängendes Gebilde. Auf seiner Fahrt
nach Köln "auf dem Rheinstrom dahinschießend" berührte Philipp der Schöne
verschiedene Territorien: Die Freie Reichsstadt Worms, zugleich Sitz des
Bischofs von Worms, das kurpfälzische Oppenheim, die Bischofsstadt Mainz
und schließlich Bacharach, wieder eine alte kurpfälzische Stadt. Unterhalb
lag mitten im Strom die "Pfalz Kaub" eine wichtige Zollstätte der Pfalzgrafen.
An der Reiseroute dieses Fürsten erkennen wir die europäische Bedeutung
und Verflechtung des Hauses Habsburg, das kurz vor seinem Aufstieg zur
Weltmacht stand. Was waren schon die Markgrafen von Baden und die Herzöge
von Württemberg im Vergleich mit einer solchen Macht? Und trotzdem: Im
vielfach aufgegliederten deutschen Südwesten mußten die Habsburger viele
andere Herren und freie Städte respektieren. Und bei dieser Vielfalt sollte
es bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts bleiben.
So wie Vorderösterreich im Süden war im Norden die Kurpfalz immer wieder
im Konflikt mit der Markgrafschaft Baden und mit Württemberg. Zwischen
1462 und 1504 kam es zu heftigen kriegerischen Auseinandersetzungen.
Im Jahr 1462 ging es besonders heiß zu. In einem Krieg zwischen dem Kaiser
und dem Markgrafen von Brandenburg-Ansbach auf der einen Seite und Bayern
und Kurpfalz auf der anderen Seite waren auf der Seite des Kaisers auch
Graf Ulrich von Württemberg und Markgraf Karl von Baden beteiligt. Ulrich
und Karl und dessen Vetter, der Bischof von Metz, beantworteten einen
Raubzug des Pfalzgrafen bis in die Gegend von Stuttgart mit einem Rachefeldzug
an den unteren Neckar bei Heidelberg. Bei Seckenheim kam es am 30. Juni
zur Schlacht. Der Pfalzgraf siegte, und die drei Herren mit ihren Begleitern
gerieten in Gefangenschaft. Ein Jahr lang blieben Graf Ulrich von Württemberg
und Markgraf Karl von Baden im Heidelberger Schloß wie Verbrecher eingekerkert,
zeitweise sogar in Ketten gelegt. Der Pfalzgraf ließ sich die Freilassung
mit Geld und Herrschaftsrechten teuer bezahlen. Der Württemberger mußte
Bottwar und Waiblingen, beinahe sogar Stuttgart, verpfänden sowie Stadt
und Amt Marbach in ein pfälzisches Lehen verwandeln lassen.
Etwa 40 Jahre später, 1504, rächte sich Herzog Ulrich für die Niederlage
von Seckenheim und eroberte das Kloster Maulbronn.
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