Geschichte Baden-Württembergs

Bistümer und Klöster im Mittelalter

Bistümer und Klöster im Mittelalter

Nachdem die Franken die Alamannen besiegt und Südwestdeutschland unterworfen hatten, breitete sich auch hier das von Rom geführte Christentum aus. Pfarrkirchen, Bischofskirchen und Klöster waren die Mittelpunkte christlichen Lebens.

Die neugegründeten Kirchen waren einem Bischof unterstellt. Die Bischöfe hatten meist ihren Sitz an Orten, wo sehr lange römische Siedlungen und Befestigungen bestanden hatten. Worms, Speyer, Straßburg, Basel und Konstanz lagen links des Rheins; Augsburg lag östlich der Iller und südlich der Donau. Die Grenzen der bischöflichen Amtsbezirke (Diözesen) reichten fast alle in den deutschen Südwesten hinein und blieben bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts von großer Bedeutung. Im mittleren Neckarraum trafen fünf Bistümer zusammen: Worms, Speyer, Konstanz, Augsburg und Würzburg.
Von den geistlichen Amtsbezirken zu unterscheiden sind die erst später im 13. Jahrhundert entstandenen Gebietsherrschaften der Bischöfe. Konstanz war das größte Bistum nicht nur des Südwestens, sondern Deutschlands überhaupt. Der Bezirk deckte sich weithin mit dem des Herzogtums Schwaben. Die Siedlungen um die Bischofssitze entwickelten sich zu den ersten größeren Städten. Sie werden noch heute von einer Bischofskirche (Kathedrale) überragt. Man spricht vom Wormser und Speyrer Dom, vom Straßburger, Basler und Konstanzer Münster. Das Ulmer Münster war keine Bischofskirche, sondern eine städtische Pfarrkirche.
Die Klöster sind eher abseits der Städte und Verkehrswege zu suchen. Sie waren nicht nur Stätten des Gebets. Sie dienten auch der Bildung, der Erziehung, den Künsten und den Wissenschaften. Manche sind nur noch als Ruinen erhalten, andere erinnern an die Zeit der Entstehung vor über 1000 Jahren oder an die Zeit des Barock. Die meisten sind längst von den Mönchen verlassen, doch gibt es - vielfach in den alten Anlagen - noch heute einige kleinere Klostergemeinschaften. In den Landesteilen, die in der Reformationszeit protestantisch wurden, mußten die Mönche ihre Klöster verlassen. Für die Abteien und Konvente, die danach noch bestanden, kam das Ende mit der Säkularisation (1803), der Verweltlichung der geistlichen Herrschaften.
Auf unserer Karte sind nur die wichtigsten Klöster verzeichnet. Die angegebenen Gründungsdaten sind immer nur Anhaltspunkte, weil sich die Entstehung über Jahre hinzog. In den ältesten Klöstern (Reichenau gegründet 724, Gengenbach 725, Schwarzach um 750) lebten die Mönche nach den Regeln, die der heilige Benedikt schon im 6. Jahrhundert aufgestellt hatte. Diese Klöster waren im Benediktinerorden zusammengeschlossen. Eine Erneuerungsbewegung aus dem burgundischen Kloster Cluny drang im 11. Jahrhundert auch in den deutschen Südwesten vor. Unter dem Einfluß von Kloster Hirsau kam es zur Gründung weiterer Benediktinerklöster: Comburg, Blaubeuren, Zwiefalten, Allerheiligen in Schaffhausen, Sankt Georgen, Reichenbach, Weilheim/Teck.
Im 12. Jahrhundert entstanden der Zisterzienser- und der Prämonstratenserorden. Die Zisterzienser widmeten sich besonders der Landwirtschaft; ihre Klöster sind an den kleinen Dachreitern (Maulbronn) zu erkennen, die sich von den wuchtigen Türmen etwa der Reichenau unterscheiden. Zisterzienserklöster waren: Bronnbach im Taubertal, Schöntal an der Jagst, Maulbronn, Schönau bei Heidelberg, Herrenalb und Tennenbach im Schwarzwald, Rottenmünster bei Rottweil; zwischen Donau und Bodensee: Salem, Wald, Baindt, Heggbach und Gutenzell.
Der Prämonstratenserorden kümmerte sich besonders um die Seelsorge auf dem Land. Ihre in der Barockzeit in Oberschwaben neu errichteten Klosterbauten waren ebenso reich ausgestattet wie die der Benediktiner. Prämonstratenserklöster finden wir in Adelberg beim Hohenstaufen, in Allerheiligen im Schwarzwald und vor allem in Oberschwaben: Marchtal, Schussenried, Rot und Weißenau.
Nicht auf der Karte darstellbar sind die im 13. Jahrhundert entstandenen Klöster der Dominikaner und Franziskaner in den Städten. Diese sogenannten Bettelorden nahmen sich besonders der städtischen Bevölkerung an.
In allen Orden gab es auch Frauenklöster.
Genauso wie die Bischöfe brauchten auch die Klöster zu ihrem Unterhalt Grundbesitz, den sie von frommen Gläubigen geschenkt bekamen. So gab es dann auch viele Klöster mit großen Herrschaftsgebieten, z.B. St. Blasien, Ellwangen, Marchtal, Zwiefalten.
Vor der Gründung der meisten Klöster in unserem Raum hatten reiche Klöster, die außerhalb des heutigen Baden-Württemberg lagen, hier ausgedehnten Besitz. Beispiele hierfür sind Fulda (Hessen), Lorsch (Bergstraße), St. Gallen (Nordschweiz) und Weißenburg (Unterelsaß).


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