Geschichte Baden-Württembergs

Das Herzogtum Schwaben
(10. bis 12. Jahrhundert n. Chr.)

Das Herzogtum Schwaben

Das Herzogtum Schwaben ist weithin mit dem Siedlungsgebiet der Alamannen gleichzusetzen. Zu dem im 3. Jahrhundert neugebildeten Stamm der Alamannen gehörten auch die Sueben. Von ihnen kann also der Name "Schwaben" abgeleitet werden. An die Stelle der Gebietsbezeichnung "Alamannien" trat vom 9. Jahrhundert an der Name "Schwaben". Unsere französischen Nachbarn nennen bis heute alle Deutschen "allemands".

Das Reich der Deutschen bestand aus verschiedenen Stämmen: Lothringen, Sachsen, Franken, Baiern und Schwaben. An ihrer Spitze standen Herzöge. Die deutschen Könige mußten sich jeweils die Anerkennung durch die einzelnen Stämme sichern. Die Stammesherzogtümer wurden oft sogar als "regna", d.h. als "Königreiche", bezeichnet. Die Herzöge wiederum waren von der Anerkennung durch die führenden Adligen ihres Stammesgebiets abhängig. So wie es im deutschen Reich "Gegenkönige" gab, finden wir im Herzogtum Schwaben "Gegenherzöge". Zum Machtbereich des jeweiligen Herzogs gehörten nicht immer die gleichen Gebiete. Dies ist einer der Gründe, warum eine Karte des Herzogtums Schwaben nicht mit festen Grenzlinien gezeichnet werden kann.
Nirgends werden die Grenzen lückenlos beschrieben. Nur an einzelnen Stellen gibt es Belege: Bei Ellwangen, Murrhardt und Heimsheim (bei Leonberg) gab es "Grenzgebiete zwischen Schwaben und Franken"; Basel gehörte schon zum Herzogtum Burgund; der Lech wird als Grenze genannt. Woran können wir uns nun halten, wenn wir vom Herzogtum Schwaben sprechen?
Eine Grundlage wäre das Siedlungsgebiet der Alamannen, die in zwei Schüben (um 260 und im 5. Jahrhundert) sich im Südwesten endgültig niederließen. Zu dieser Vorstellung paßt die sogenannte schwäbisch-fränkische Stammesgrenze im Norden. Sie wirkte als Dialektgrenze zwischen den alamannisch-schwäbischen und den fränkischen Dialekten noch lange nach. Im Südosten war der Lech die Grenze gegenüber dem Stamm der Baiern. Auch die Nordschweiz gehörte zum alamannischen Siedlungsgebiet, nicht aber Rätien, wo im südlichen Teil noch heute Rätoromanisch gesprochen wird. Auch im Elsaß hatten sich die Alamannen niedergelassen, aber dieses Land gehörte nicht immer eindeutig zum Herzogtum Schwaben.
Ein anderer Ausgangspunkt wäre der Sprengel (Amtsbezirk) des Bischofs von Konstanz. Man nennt nämlich das Bistum Konstanz "das alamannische Bistum schlechthin". Die Lage der Bischofsstadt führt uns vor Augen, daß der Bodensee das Zentrum des Herzogtums Schwaben war. Das Bistum Konstanz deckte sich allerdings nicht mit dem alamannischen Stammesgebiet. Das Land zwischen Iller und Lech und nördlich von Ulm gehörte immer zum Bistum Augsburg. Das Elsaß gehörte zu den Bistümern Basel und Straßburg. Letzteres schließt rechts des Rheins sogar noch die Ortenau ein.
Im mittelalterlichen Deutschland gab es kein Recht, das im ganzen Reich galt. Jeder wurde nach seinem Stammesrecht abgeurteilt, ein Sachse nach sächsischem Recht, ein Franke nach fränkischem Recht. Im Herzogtum Schwaben galt ursprünglich die lex Alamannorum, das alamannische Recht. In späterer Zeit kann man folgendes beobachten: Leute, die in Schwaben des Landes verwiesen wurden, mußten "über Lech und Rhein" schwören. In dieser Formel werden wieder zwei Grenzzüge deutlich: Der Lech schließt das heutige bayerische Schwaben ein, und der Rhein schließt das Elsaß aus.

Auf der Karte "Staufer, Welfen, Zähringer" werden wir sehen, wie einzelne Hochadelsfamilien zur Aufspaltung oder zur Einigung des Herzogtums Schwaben beitrugen. Die Machtverhältnisse änderten sich laufend. Einige Herzöge von Schwaben stammten auch aus anderen Teilen des deutschen Reiches: aus Baiern, Franken und Sachsen. Ihre Familien waren meist verwandschaftlich verbunden.
Statt beim Herzogtum Schwaben feste Grenzen zu suchen, ist es zweckmäßiger, auf zentrale Landschaften und "Hauptorte" des Herzogtums zu achten, denn eine bestimmte Hauptstadt von Schwaben gab es nie.

Als Hauptorte sind anzusehen:

Am Bodensee Konstanz mit den Klöstern Reichenau und St. Gallen sowie der Hohentwiel als Stützpunkte.

In der heutigen Schweiz Zürich (Münzstätte). Kloster Einsiedeln und die Bischofsstadt Chur.

In Oberschwaben Kloster Marchtal und in der Nähe das fast unbekannte Rottenacker, wo mindestens zwei Versammlungen des schwäbischen Adels überliefert sind (1114 und 1116). Auch in Ulm fanden solche Fürstentage statt.

Am mittleren Neckar Cannstatt, Stuttgart und Esslingen (Münzstätte), am oberen Neckar Rottweil.

Am Oberrhein Breisach mit einer herzoglichen Münzstätte.

Zwischen Iller und Lech die Bischofsstadt Augsburg und die Klöster Kempten und Ottobeuren.

Nachdem die Welfen 1191 und die Zähringer 1218 als Rivalen ausgeschieden waren, übten die Staufer als Herzöge eine besonders intensive Herrschaft aus. Auch das Elsaß gehörte dazu. Schwaben war außerdem zur Sicherung der Paßstraßen nach Italien von großer Bedeutung. Nach dem Untergang der Staufer gab es nie mehr ein Herzogtum Schwaben. Die Habsburger und die Württemberger bemühten sich vergeblich um die Wiederherstellung.


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