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In der Nähe der Ortschaft Waldmössingen wurde vor wenigen Jahren der
Eckturm eines römischen Kastells mit anschließender Mauer nachgebaut.
Dazu berechtigten die 1975 gefundenen Reste eines Fundaments. Der Bau
des ursprünglichen Kastells reicht in das 1. Jahrhundert n.Chr. zurück.
Er verdeutlicht den verstärkten Ausbau römischer Herrschaft und Besiedlung
in Südwestdeutschland.
Zu diesem Kastell führte eine Straße, die im Jahre 74 n.Chr. vollendet
wurde. Sie führte vom Legionslager Straßburg über das Kastell Offenburg
durch das Kinzigtal nach Waldmössingen und weiter über Rottweil an die
Donau. Militärische Stützpunkte und Straßen, später Zivilsiedlungen, sind
die wichtigsten Spuren, welche die Römer in unserem Land zurückgelassen
haben.
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Ursprünglich waren der Rhein und die Donau die Grenzen des Römischen
Reiches. Deshalb lagen die großen Legionslager fast alle außerhalb des
jetzigen Baden-Württemberg: Straßburg (Argentorate), Windisch (Vindonissa),
Dangstetten, Augsburg (Augusta Vindelicorum) und Regensburg (Castra Regina).
Im Interesse einer besseren Verbindung zwischen dem Rhein- und Donaugebiet
rückten die Römer im 1. und 2. Jahrhundert weiter vor und errichteten
neue Befestigungen.
Römische Kastelle wurden im gesamten römischen Weltreich ähnlich gebaut.
Sie waren entweder mit einer Holz-Erde-Mauer oder einer Steinmauer umgeben.
Davor zog sich ein breiter und tiefer Lagergraben, dahinter war zur Verteidigung
eine Ringstraße frei. Zwei Lagerstraßen durchquerten das Lager. Die Ausgänge
der Lagerstraßen schützten besonders starke Türme am Lagertor. In der
Mitte des Lagers, wo sich die Straßen kreuzten, standen das Stabsgebäude,
die Befehlszentrale des Lagerkommandanten und seine Unterkunft. Um diese
zentralen Gebäude waren das Fahnenheiligtum mit dem Bildnis des Kaisers,
das Lazarett, eines für die Menschen, eines für die Pferde, ferner Werkstätten
für Schmiede, Waffenmeister, Zimmerleute angelegt. In regelmäßiger rechtwinkliger
Anordnung umringten Mannschaftsbaracken, Versorgungsspeicher und Ställe
die Führungsgebäude. Das Legionslager war das größte Kastell; in ihm waren
bis zu 6000 Mann und 120 Reiter untergebracht. Um das Jahr 50 n.Chr. wurden
Kastelle entlang der Donau (Donaulimes) gebaut. Die eingangs erwähnte
Straße über Waldmössingen führte zu dieser Donaugrenze. In Rißtissen sind
römische Bildwerke in die Außenmauern der späteren Kirche eingelassen.
Um das Jahr 80 entstand eine weitere Befestigungslinie am Nordrand der
Schwäbischen Alb von Ebingen über Heidenheim bis Oberdorf am Ipf (Alblimes).
Etwa gleichzeitig wurden entlang dem Neckar und bis in den Odenwald hinein
ebenfalls Kastelle errichtet (Neckar-Odenwald-Limes).
Um 150 n.Chr. wurde die Neckar-Odenwald-Grenze 20-30 km nach Osten vorgeschoben.
Von Miltenberg am Main bis Lorch und dann, nach Nordosten abbiegend, bis
an die Donau bei Regensburg erstreckte sich die Grenzbefestigung, die
als "der Limes" bekannt ist. 180 von 500 Kilometern liegen in Baden-Württemberg.
Bei Lorch lag die Grenze zwischen der Provinz Obergermanien und der Provinz
Rätien. Der obergermanische Limes bestand aus einem Palisadenzaun mit
vielen Wachttürmen, der rätische Limes wurde anfangs des 3. Jahrhunderts
durch eine Steinmauer verstärkt (Limesmuseum, Aalen).
Jeweils hinter den Grenzbefestigungen konnten sich Zivilsiedlungen entwickeln,
die auch von Einheimischen bewohnt wurden, von Kelten und Germanen, die
in römischen Diensten standen. Es waren Städte wie Ladenburg.
Baden-Baden (Aquae = Wässer), Rottweil (Arae Flaviae = Flavische Altäre)
und Rottenburg (Sumelocenna).
Es gab auch dorfartige Siedlungen, doch war die typische Siedlungsform
die villa rustica, wörtlich der "ländliche Gutshof" Diese Höfe waren nicht
in Dörfern zusammengefaßt, sondern lagen zerstreut. Aus dem lateinischen
"villa" wird das englische "village" (Dorf) und das französische "ville"
(Stadt) abgeleitet. Auf der Karte ist zu erkennen, wo sich die Gutshöfe
häufen. Interessant ist es zu sehen, daß sie jenseits des Limes, im Schwarzwald
und im östlichen Oberschwaben ganz fehlen.
Unentbehrlich für die Verteidigung und das Gedeihen des Handels waren
die Straßen, von denen wir nur die wichtigsten auf der Karte sehen. Römische
Straßen wurden oft schnurgerade durch die Landschaft gebaut. Sie waren
in der Regel zwischen 4 und 5 m breit. Den Untergrund bildete eine Steinpackung,
darauf lag eine Schotterschicht. Manchmal war die Straßenoberfläche gepflastert.
Rechts und links des Straßendamms verliefen Straßengräben, in denen das
Regenwasser abfloß. Hauptsächlich Soldaten benützten die Straßen, aber
auch Händler mit ihren Tragtieren oder Fuhrwerken. Eilkuriere konnten
auf den Straßen pro Tag etwa 200 Kilometer zurücklegen. Ein Reisewagen
brauchte in damaliger Zeit von Mainz bis in die Hauptstadt Rom etwa 10
Tage. An wichtigen Straßenpunkten errichteten Straßenbauer bis zu 3 m
hohe Meilensteine. Eine solche Wegmarkierung wurde bei Offenburg gefunden.
Die Inschrift gab Auskunft, daß die Kinzigtalstraße in der Regierungszeit
des Vespasian von Cornelius Clemens gebaut wurde und diese Straße von
Straßburg in die Provinz Rätien führte. Die Römer waren die ersten Bewohner
des Landes, die schriftliche Nachrichten hinterließen. Zahlreiche Inschriften,
z.B. auf Grabdenkmälern und Meilensteinen, und Berichte römischer Schriftsteller
(z.B. Tacitus) markieren den Übergang von der schriftlosen Vorgeschichte
zur Geschichte, die sich vorwiegend auf schriftliche Quellen stützt.
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