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Bei Mauer an der Elsenz, nicht weit von Heidelberg, wurde ein
Unterkiefer ausgegraben, Fundstellen aus dessen Alter man auf 500000 bis
600000 Jahre der Altsteinzeit schätzt.
Vor rund 200000 Jahren, so nimmt man an, hat der Mensch gelebt, dessen
Schädel bei Steinheim an der Murr gefunden worden ist.
Eine halbe Million Jahre umfaßt die Vergangenheit, von der wir hier sprechen.
Das sind unvorstellbare Zeiträume. Der Mensch dieser frühen Zeit ernährte
sich von dem, was die Natur ihm bot, er sammelte Früchte und jagte die
Tiere, die er überwältigen konnte. Man vermutet, daß diese Sammler und
Jäger, die auf zwei Beinen gingen, in Gemeinschaften lebten, in Großfamilien
vielleicht, zu denen 25 bis 30 Mitglieder gehörten. Nur sehr selten wird
eine solche Gruppe einer andern begegnet sein. Man schätzt, daß im gesamten
Raum des heutigen Baden-Württemberg nicht mehr als 500 Menschen gelebt
haben.
Die Welt, in der der Mensch sein Dasein fristete, hat sich allerdings
im Laufe der Jahrhunderttausende stark verändert. Zur Zeit des Heidelberger
Menschen war es warm, Wälder bedeckten das Land. Es gab Tiere, die wir
heute nur noch in Afrika finden. Ganz allmählich wurde das Klima rauher.
In den Alpen nahmen Schnee und Eis langsam zu. Die Gletscher, vor allem
der riesige Rheingletscher, wurden immer mächtiger, schoben sich immer
weiter in das Alpenvorland hinaus und bedeckten es schließlich bis zur
Donau hin. Bäume gediehen nicht mehr, die Wälder verschwanden, das Land
wurde zur kalten Steppe, zur Tundra.
Kalt- und Warmzeiten haben einander mehrmals abgelöst. Die letzte Eiszeit
ging bei uns vor rund 10000 Jahren zu Ende. Bis dahin dauerte auch der
gewaltige Abschnitt der Vorgeschichte, den wir die Altsteinzeit
nennen.
Aus der Altsteinzeit sind Überreste erhalten, die uns genauere Vorstellungen
von der Lebensweise der Urmenschen vermitteln. Es sind die einst von Menschen
bewohnten Höhlen und Felsüberhänge, besonders auf der Schwäbischen Alb.
Diese von der Natur vorgegebenen Behausungen waren nicht dauernd bewohnt,
wurden aber immer wieder als Zufluchtsorte und Lagerstätten aufgesucht.
In den Höhlen fanden die Forscher nicht nur Knochen von Menschen, sondern
auch von den erlegten Tieren.
Pflanzenreste erlauben Rückschlüsse auf die zur Ernährung verwendeten
Pflanzen und überhaupt auf die einstige Vegetation. Gegen Ende der Altsteinzeit,
vor etwa 30000 Jahren, schufen Bewohner der Albhöhlen aus Elfenbein kleine
Figuren, die ersten Kunstwerke der Menschheit. In der Vogelherdhöhle bei
Stetten im Lonetal fand man Darstellungen eines Mammuts, eines Wildpferds
und eines Höhlenlöwen. Sie geben zugleich Kunde von den Tieren, mit denen
sich die Leute auseinandersetzen mußten. Daneben fand man noch eine Figur,
die schon als Mensch gedeutet werden kann.
In der Höhlenfundstelle Geißenklösterle im Achtal bei Blaubeuren wurde
in der Form eines flachen Quaders (3,8/14,0/0,45 cm) eine menschliche
Gestalt mit gespreizten Beinen und erhobenen Armen entdeckt.
Jünger sind Ritzzeichnungen und 3-4 cm große Frauenfigürchen aus der Petersfelshöhle
bei Engen.
Mit dem Ende der Eiszeit vor 10000 Jahren verschwanden die großen Tierherden
als Lebensgrundlage der altsteinzeitlichen Jäger. Es beginnt die Mittlere
Steinzeit. Die Jagd auf Kleinwild, Vogelfang und das Sammeln von Früchten
erforderten weiterhin das Herumstreifen von kleinen Gruppen. Sie wechselten
je nach Jahreszeit ihre Lagerplätze, etwa von den Albhöhlen zu den Ufern
des Federsees.
Einen großen, ja einen ungeheuren Wandel im Dasein unserer Vorfahren brachte
eine ganz andere Neuerung: der Ackerbau. Wie mag er begonnen haben? Wie
kam der Mensch dazu, die Erde zu bearbeiten. Samen in den Boden zu stecken,
um zu ernten? In Ägypten und im Vorderen Orient wurden Ackerbau und Viehzucht
schon seit längerer Zeit betrieben. Von dort breiteten sie sich nach Europa
aus, nur langsam freilich, sicherlich nicht von heute auf morgen. Daß
die Männer auch weiterhin auf die Jagd gingen, ist nicht zu bezweifeln.
Wer aber Ackerbau treibt, der wird seßhaft. Er braucht eine feste Behausung.
Er lernt, wilde Tiere daran zu gewöhnen mit Menschen zusammenzuleben,
so daß sie schließlich zu Haustieren werden. Er züchtet Vieh. Siedlungen
entstehen. Eine Zeit, in der so viel Neues aufgetreten ist und die Lebensweise
des Menschen sich so grundlegend verändert hat, verdient eine besondere
Bezeichnung: Mit dem Ackerbau beginnt die Jungsteinzeit.
Reste von Häusern aus der Jungsteinzeit hat man an vielen Stellen Baden-Württembergs
ausgegraben. Die Siedlungen (Pfahlbauten) lagen vorzugsweise in den Uferzonen
des Federsees (Buchau) und des Bodensees (Hornstaad-Hörnle) und in den
klimatisch günstigen Flußlandschaften der Donau und der Blau (Ehrenstein),
der Tauber, des Neckars (Großgartach bei Heilbronn, Gerlingen) und des
Rheins (Munzingen, Michelsberg bei Bruchsal, Mannheim). Dreißig und mehr
Häuser gehörten zu einer Siedlung. Eine Menge interessanter Funde wanderte
in unsere Museen: Waffen und Geräte, Schmuck und Keramikgefäße. Wir können
uns heute recht gut vorstellen, wie die Menschen der Jungsteinzeit gelebt
haben.
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